History Communication #1

Quellen für History Communication #1

Identität teilen und Emotionen wecken – Faszination Zeitzeugeninterviews


Geschichte und Tradition sind Teil der Identitätsbestimmung von Firmen und Marken. So sehr hierüber Konsens herrschen dürfte, so sehr gehen die Meinungen darin auseinander, wie Geschichte in die Kommunikationsplanung und das Marketing integriert werden kann.

In diesem Blog-Beitrag soll es aber nicht um das viel bemühte Storytelling gehen, sondern vielmehr ganz praktisch darum, welche Quellen sich besonders eignen und wie diese für die Kommunikation genutzt werden können.

Unternehmensgeschichte ist immer auch eine lebendige Sammlung von Erfahrungen der Mitarbeiter und Unternehmenseigentümer und gleichzeitig ein Spiegel der wirtschaftlichen und historischen Entwicklung ganzer Generationen. Diese Erfahrungsschätze und lebendigen Zeitzeugnisse lassen sich ideal in Interviews festhalten. Egal ob Audio oder Video können sie vielfach in die Unternehmenskommunikation eingebunden werden. Als Interviewpartner kommen ehemalige oder langjährige Mitarbeiter in Frage ebenso aktive Geschäftsführer und Auszubildende. Denn Zeitzeugeninterviews in Unternehmen übernehmen eine Mehrfachfunktion: sie dokumentieren wichtige (Produktions)Entwicklungen, sie schildern lebhaft und subjektiv die Unternehmenswerte, sie sind ein Beleg für Traditionspflege, sie vermitteln in O-Tönen den seit ihrer Gründung herrschenden Innovationsgeist, sie geben Hintergrundinformationen zu Einflüssen historischer Ereignisse auf ihr Unternehmen u. v. m. In ihrer Summe geben sie ein facettenreiches Gesamtbild einer gelebten Unternehmenskultur und sind Zeugnis der Unternehmensidentität.

Tipps für professionell durchgeführte Zeitzeugeninterviews

Um qualitativ hochwertiges Material zu erhalten, wissen wir aus unserer Erfahrung, dass sich eine gründliche Vorbereitung lohnt. Hier ein paar Tipps, wie Sie professionell durchgeführte Zeitzeugeninterviews bekommen.

  • Zweck: Wozu sollen die Interviews geführt werden?
    So simpel die Frage klingt, so wichtig ist es sie gewissenhaft zu beantworten, um Klarheit über den Nutzen schaffen.
  • Interviewer: Wer soll die Interviews durchführen?
    Es empfiehlt sich eine externe Person als Interviewer, die professionell und erfahren ist sowie spezielle Fragetechniken mitbringt. Ein weiterer Vorteil ist der frische Blick von außen. Soll die Firmenhistorie Thema des Interviews sein und in die allgemeine Geschichte eingebettet werden, ist ein Firmenhistoriker einem Journalisten vorzuziehen. Auch für die technische Umsetzung empfehlen wir Kamerateams zu nehmen, die wissen, welche Bedingungen ein Zeitzeugeninterview erfordert.

Ein Zeitzeugeninterview lebt vom lockeren Erzählen

  • Interviewform: persönliches Gespräch, Telefon- oder schriftliches Interview?
    Das Vor-Ort-Interview ist immer den beiden anderen Interviewformen vorzuziehen, da es am intensivsten ist. Der Interviewer kann sowohl auf das Gesagte als auch auf Gesten und Mimik seines Interviewpartners reagieren und diese in seine Fragen miteinbeziehen.
  • Medium: Welches Medium ist das richtige, Audio oder Film?
    Die Wahl des passenden Mediums hängt vom weiteren Einsatzfeld des Interviews ab. Wollen Sie Sequenzen aus dem Gespräch für Ihren neuen Imagefilm nutzen, muss das Interview in jedem Fall gefilmt werden; ebenso bietet sich dies an, wenn Ihr Unternehmen einen eigenen Videokanal betreibt. Steht jedoch fest, dass die Interviews vor allem dokumentarischen Zwecken dienen und Passagen in einer Firmenpublikation, z. B. Jubiläumschronik, abgedruckt werden sollen, ist Audio das passende und preiswertere Medium.
  • Setting: Wie muss der ideale Interviewplatz beschaffen sein?
    Überlassen Sie nichts dem Zufall. Sprechen Sie die Raumanforderungen im Vorfeld mit dem Interviewer ab. Egal ob Audio oder Film ist die wichtigste Voraussetzung ein ruhiger Raum, in dem man ungestört sitzen kann und der von Umweltgeräuschen weitest gehend abgeschirmt ist. Dies ist zum einen wichtig für die Tonqualität und zum anderen wegen ablenkender Geräuschkulissen. Der Raum soll eine angenehme Atmosphäre haben. Für Filmaufnahmen ist ein geeigneter Hintergrund essenziel sowie die Möglichkeit störende Lichteinfälle auszuschließen.
  • Inhalt: Was soll im Interview thematisiert werden?
    Professionelle Interviewer informieren sich zur Vorbereitung gründlich über Ihr Unternehmen und benötigen von Ihnen Informationen über die Interviewpartner (Position im Unternehmen, Spezialist/Repräsentant für bestimmte Themen/Entwicklungen/Meilensteine etc.). In einem nächsten Schritt erarbeitet der Interviewer einen Fragenkatalog, den er mit Ihnen abstimmt. Dieser Fragenkatalog wird dem Interviewpartner aber nicht vor dem Gespräch gegeben, um die Spontanität im Interview zu wahren. Ein Zeitzeugeninterview lebt vom lockeren Erzählen und dem unmittelbaren Reagieren auf das Gefragte. Vorgefertigte, auswendig gelernte Antworten nehmen dieser Form der Überlieferung ihre Authentizität und Überzeugungskraft. Falls Interviewer und Zeitzeuge einander noch nicht kennen, führt der Interviewer vor dem Interviewtermin idealerweise ein Vorgespräch.
  • Zeitpunkt: Wann sind Zeitzeugeninterviews angebracht?
    Idealerweise implementieren Sie Zeitzeugeninterviews als festen Bestandteil in die Unternehmenskommunikation: Sobald in der Geschäftsführung ein Generationenwechsel ansteht oder langjährige Mitarbeiter auf dem Weg in den Ruhestand sind.

Fazit: Welchen Mehrwert hat die subjektiv erlebte Geschichte für die Unternehmensidentität? Es handelt sich nicht allein um einen großen Erfahrungsschatz, sondern vielmehr um Biografien, Anekdoten, eben die persönliche Wahrnehmung und Sicht auf die Dinge. Und da sich Menschen immer für Menschen interessieren, schaffen Geschichten rund um das persönlich Erlebte Empathie und wirken identitätsstiftend.

 

Wir veröffentlichen regelmäßig Beiträge in der Reihe „Quellen für History Communication“.

Allgemeine Informationen zu History Marketing finden Sie hier.


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